Waldschlößchenerklärung vom 2. bundesweiten Trans*Vernetzungstreffen 24.08.2014

Forderungen vom 2. bundesweiten Trans*Vernetzungstreffen

Die „Waldschlößchenerklärung“ wurde am 24.08.2014 von 40 Einzelpersonen unterzeichnet. Diese repräsentieren 19 Organisationen aus der ganzen Bundesrepublik, die sich für transgeschlechtliche Menschen und geschlechtliche Vielfalt einsetzen.

Personen/Organisationen, die die Erklärung mitzeichnen möchten, schicken bitte eine E-Mail an:

admin [at] trans-aktiv.vernetzungsstelle.com

"Waldschlösschen Erklärung"
Göttingen, 24.08.2014

Wir, die Unterzeichnenden, fordern anlässlich des bundesweiten Netzwerktreffens „Trans*Aktiv" in der Akademie Waldschlösschen vom 22.-24.08.2014 Folgendes:

1. Die breite Beteiligung von Menschen, die geschlechtliche Vielfalt leben, an der interministeriellen Arbeitsgruppe unter der Federführung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zur „Situation von Inter- und
Transsexuellen" und bei allen anderen politischen (einschließlich gesundheitspolitischen) und gesetzgebenden Gremien und Maßnahmen, die unsere Lebenssituationen betreffen.
2. Eine zeitnahe Reform des Transsexuellengesetzes bis hin zur Abschaffung, die mindestens folgende Anforderungen erfüllt:
• Vornamens- und Personenstandsänderung ohne Gutachten und gerichtliche Entscheidung basierend auf dem Selbstbestimmungsrecht der betreffenden Personen.
• Ausbau des Diskriminierungsschutzes und des Schutzes der Privatsphäre der betreffenden Personen.
3. Volle Durchsetzung der Menschenrechte auch für Personen, die geschlechtliche Vielfalt leben, durch die Annahme der Yogyakarta Prinzipien als Leitlinien jedes rechtlichen, politischen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Handelns.
4. Die Anerkennung und Wahrung der Menschenrechte von Asylsuchenden, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität und/oder sexuellen Orientierung in ihren Herkunftsländern Verfolgung oder Bedrohung erleben. Dies umfasst den vollen Zugang zu medizinischen Maßnahmen, auch während das Asylverfahren läuft.
5. Den Ausbau des Antidiskriminierungsrechts und dessen Ausweitung auf alle Lebensbereiche.
6. Die Sicherstellung und Verbesserung einer zugänglichen, umfassenden, bedürfnisorientierten und präventiven Gesundheitsversorgung für alle, die sie für ihr geschlechtliches Gesundheitsempfinden benötigen, auf Basis der informierten Einwilligung („informed consent"). Alle benötigten Leistungen müssen im Leistungskatalog der Kostenträger ohne zusätzliche Prüfung durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherungen (MDK) enthalten sein.
7. Das Hinwirken auf die Entpsychopathologisierung und Entstigmatisierung, z. B. durch eine daraufhin ausgerichtete Arbeit in der Kommission der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zur Überarbeitung der
medizinischen Leitlinien. Wir vertrauen den dort repräsentierten Vertreter_innen von Organisationen, die sich für geschlechtliche Vielfalt einsetzen, und unterstützen ihre Arbeit.
8. Die Stärkung von Verbänden, Vereinen, Netzwerken, Selbsthilfegruppen und allen anderen Organisationen, die sich für die Menschen einsetzen, die geschlechtliche Vielfalt leben, durch
finanzielle und strukturelle Unterstützung. Sie brauchen verlässliche und nachhaltige Förderstrukturen für ihre Arbeit.
9. Den Einbezug von geschlechtlicher Vielfalt in die Satzung und proportionale Repräsentanz ihrer Vertreter_innen in allen Gremien der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.

Die „Waldschlösschen Erklärung“ wurde am 24.08.2014 von 40 Einzelpersonen handschriftlich unterzeichnet, die 19 Organisationen aus der ganzen Bundesrepublik repräsentieren, die sich für transgeschlechtliche Menschen und geschlechtliche Vielfalt einsetzen:

1. Akademie Waldschlösschen, Göttingen
2. dgti e.V., Köln
3. Die Dritte Option, Köln
4. IVTF, Berlin
5. Netzwerk Trans*Inter*Sektionalität, Berlin
6. Rosa Alter, München
7. Schwulenreferat Universität Osnabrück
8. SHG-Transhilfe Thüringen
9. SHG "Trans - Identität" Zwickau
10. Sonntags-Club e.V., Berlin
11. TG-Beratung, Mainz
12. Trans*Inter*Beratung, Berlin
13. Trans*Recht, Bremen
14. Transgender-Siegerland, Siegen
15. TransGenderTown, Leipzig
16. Trans-Ident e.V., Wolframs-Eschenbach
17. TransInterQueer e.V., Berlin
18. TS-Basisgruppe, Schwalmtal
19. TSIS, Leipzig
   
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